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Dr. Anna Sieben

Leiterin der Abteilung „Sozialpsychologie der Fußgängerdynamiken“ am Institute for Advanced Simulation - Zivile Sicherheitsforschung (IAS-7)

Anna Sieben ist Leiterin der Abteilung „Sozialpsychologie der Fußgängerdynamiken" am Institut für Zivile Sicherheitsforschung. Ihr Team untersucht derzeit, wie sich soziale Normen und Emotionen in Menschenmengen dynamisch verändern. Zum Beispiel interessiert sie, warum und in welchen Situationen Menschen anfangen zu drängeln. Damit versuchen sie zu verstehen, wie starke Gedränge verhindert und Menschenmengen sicherer werden können.

Erzählen Sie uns etwas über Ihren Werdegang.

Ich habe an drei Universitäten studiert, an den Universitäten in Freiburg und Köln sowie am Goldsmiths College in London. Psychologie habe ich erst angefangen zu studieren, um später Psychotherapeutin zu werden. Bald habe ich aber gemerkt, dass mich die Wissenschaft an sich fasziniert. Zunächst hat mich dabei die Schnittstelle von individueller Psyche und Gesellschaft interessiert, daher habe ich zusätzlich Soziologie studiert. Zudem habe ich früh in meinem Studium angefangen, als studentische Hilfskraft zu arbeiten. Dadurch habe ich den Alltag von Wissenschaftler*innen kennengelernt und war davon begeistert. Erst nach meiner Doktorarbeit bin ich dann wieder in den MINT-Bereich gewechselt. Während meines Studiums und der Promotion wurde ich von der Studienstiftung des deutschen Volkes mit Stipendien unterstützt. Die Kontakte, die ich dort geknüpft habe, haben mich sehr darin bestärkt, eine wissenschaftliche Karriere anzustreben. Und heute, im Forschungszentrum, arbeite ich gemeinsam mit Physiker*innen und Mathematiker*innen zu Menschenmengen und Fußgängerdynamiken.

Anna SiebenCopyright: Forschungszentrum Jülich / Marc Strunz-Michels

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit im Forschungszentrum Jülich?

Am liebsten diskutiere ich mit Kolleg*innen inhaltlich über ein Problem. Wie man gemeinsam zu neuen Gedanken und Lösungen kommt, finde ich jedes Mal von Neuem faszinierend. Ich möchte in Zukunft kontinuierlich eine Arbeitsgruppe aufbauen und leiten, aber auch gerne in der Hochschullehre involviert sein. Mir ist es wichtig, mit Kolleg*innen zusammenzuarbeiten und gleichzeitig den Freiraum zu haben, eigene Forschungsfelder zu entdecken und zu entwickeln.
Meine Erfahrungen mit dem Arbeitsumfeld im MINT-Bereich sind durchweg positiv: Es gibt viel Verständnis für die gleichzeitige Organisation von Arbeit und Familienleben. Gleichzeitig werden freie Zeiten wie das Wochenende sehr respektiert. Die Aufstiegschancen für Frauen sind aus meiner Sicht aufgrund gezielter Förderungsmaßnahmen für die weibliche MINT-Zielgruppe sehr gut.


Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Der wichtigste Teil meiner Arbeit sind zurzeit Besprechungen mit Doktorand*innen und Kolleg*innen, in denen wir die konkreten Forschungsprojekte diskutieren, weiterentwickeln und planen. In manchen Phasen arbeite ich sehr intensiv an Publikationen. Auch das mache ich gerne mit anderen zusammen. Außerdem muss ich, wie alle heutzutage, sehr viele Emails beantworten. Besonders sind Arbeitstage, an denen wir selbst Experimente, Beobachtungen oder Befragungen durchführen. Das ist immer sehr aufregend. Zurzeit können wir aufgrund der Corona-Pandemie wenig reisen – in normalen Zeiten gehören aber auch Konferenzteilnahmen und Besuche bei anderen Arbeitsgruppen zu meiner Tätigkeit.