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Institut für Neurowissenschaften und Medizin
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Geschmacks- und Geruchsstörungen bei COVID-19

Online-Umfrage soll Symptome einer Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus identifizieren

Ein internationales Team hat eine weltweite Onlinebefragung zu Riech- und Schmeckstörungen im Zusammenhang mit COVID-19 zusammengestellt. Die Umfrage soll ermöglichen, die Symptome einer Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus von anderen Atemwegserkrankungen abzugrenzen – und gegebenenfalls die medizinische Betreuung der Betroffenen unterstützen. An dem Projekt sind über 500 Wissenschaftler, Kliniker und Patientenvertreter aus 38 Ländern beteiligt. Die Onlinebefragung ist seit heute verfügbar.

Ein trockener Husten und Fieber gelten als die typischsten Anzeichen für eine mögliche Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus. Manche Menschen jedoch zeigen gar keine Symptome, obwohl sie sich mit dem Virus angesteckt haben – und ihn auch weiterverbreiten können. In den letzten Wochen tauchte immer wieder ein mögliches weiteres Symptom auf: der plötzlich aufgetretene teilweise oder vollständige Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn.

Gesundheitsorganisationen in verschiedenen Ländern haben bereits empfohlen, den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns als Hinweis auf eine COVID-19-Infektion zu sehen, selbst wenn keine anderen Symptome vorliegen. Entsprechend wird Betroffenen geraten, sich vorsichtshalber freiwillig in Quarantäne zu begeben. Bisher gibt es jedoch keine breit angelegte wissenschaftliche Studie, die belegt, dass diese Art von Beeinträchtigung ein klares Anzeichen für eine Infektion ist. Schwierig ist dabei die Abgrenzung von anderen Riechstörungen - in der Gesamtbevölkerung können etwa fünf Prozent gar nicht riechen.

"Bis jetzt sind diese Berichte nur anekdotisch", erklärt die Geschmacksforscherin Dr. Kathrin Ohla vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin. "Da Geruchs- und Geschmackssinn miteinander verwandt sind, sind auch Symptome des Verlusts dieser Sinne miteinander verbunden. Der Verlust des Geruchssinns nach einer Viruserkrankung, etwa einer Erkältung, betrifft viele Menschen. Dass jedoch der Geschmackssinn verloren geht, wird viel seltener berichtet."

Dr. Kathrin OhlaDr. Kathrin Ohla
Copyright: PicturePeople

Deshalb hat sich eine Gruppe internationaler Geruchs- und Geschmacksforscher zusammengeschlossen, um zu untersuchen, wie, wann und warum diese Beeinträchtigungen auftreten – und was sie über das Corona-Virus aussagen. Das Global Consortium for Chemosensory Research (Globales Konsortium für chemo-sensorische Forschung), abgekürzt GCCR, besteht aus Teilnehmern der offenen Wissenschaft: transdisziplinäre Wissenschaftler, Kliniker und Patientenvertreter aus der ganzen Welt. "Derzeit hat das GCCR mehr als 500 Mitglieder aus 38 Ländern“, so Ohla. „Dadurch verfügen wir über eine große Reichweite. Die wollen wir nutzen, um weltweite, evidenzbasierte Informationen zu kurz- und langfristigen Folgen von COVID-19 zu sammeln und im Vergleich zu anderen Atemwegserkrankungen zu analysieren."

Das GCCR hat deshalb eine weltweite Onlinebefragung zusammengestellt, um Antworten auf wichtige Fragen zu finden: Welche Auswirkungen hat das Corona-Virus? Ist der Verlust des Geruchssinns ein häufiges Symptom? Geht er mit einem Geschmacksverlust einher? Wie lange halten die Symptome an? Haben Betroffene dauerhafte Störungen? Die Teilnehmer der Befragung sollen dabei ihre Riech- und Schmeckfähigkeit mithilfe von Computerskalen abschätzen und Fragen zu Ihrer Symptomatik, Gesundheit und zum Lebensstil beantworten.

"Die Ergebnisse können dabei helfen, auf zukünftige Epidemien besser vorbereitet zu sein", so Ohla. "Und sie können gegebenenfalls die medizinische Versorgung der Betroffenen zu unterstützen, mittel- oder langfristig." Die Onlineumfrage wird in mehr als 20 Sprachen übersetzt und Einzelpersonen und Klinikern auf der Website des GCCR zur Verfügung gestellt.

"Wir haben auch bereits einen zweiten Teil des Projekts in Planung. Dabei wird es sich um einen praktischen Riech- und Schmecktest handeln, mit Anleitung für zu Hause", so Ohla. "Dabei werden die Teilnehmer im Haushalt vorhandene Dinge (z.B. Shampoo, Zimt oder Knoblauch) riechen oder Zucker, Salz, Zitrone und Kaffee oder Tee schmecken und dann online beurteilen. Der Test kann mehrmals gemacht werden und erlaubt uns, den Verlauf der Riech- und Schmeckfähigkeit zu untersuchen."

Das Global Consortium for Chemosensory Research

Die über 500 Mitglieder des GCCR haben es sich zur Aufgabe gemacht, die globale Zusammenarbeit in der Erforschung der chemischen Sinne (Geruch und Geschmack) zu fördern, in Abstimmung mit lokalen Labors, Wissenschaftlern und Kliniken. Die Projekte des GCCR wollen die Umsetzung offener wissenschaftlicher Praktiken unterstützen sowie seinen Mitgliedern und der internationalen Forschergemeinschaft den Zugang zu Protokollen und Daten ermöglichen. Die Mitglieder der GCCR möchten darüber hinaus mithilfe von offen zugänglichen wissenschaftlichen Artikeln auf Grundlage der gesammelten Kerndaten die Entwicklung und Verbreitung von neuem Wissen erleichtern und fördern.

Initiiert wurde das GCCR von einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern, zu deren Aufgaben nun gehört, die Kommunikation innerhalb des Konsortiums zu erleichtern, GCCR-Meetings zu organisieren und die Bemühungen der Gruppe zu koordinieren. Der Führungsausschuss (in alphabetischer Reihenfolge) setzt sich derzeit zusammen aus:

John Hayes, PhD, Penn State, USA
Thomas Hummel, MD, Technische Universität Dresden, Deutschland
Chrissi Kelly, Founder, AbScent.org, Großbritannien
Steve Munger, PhD, University of Florida, USA
Masha Niv, PhD, The Hebrew University of Jerusalem, Israel
Kathrin Ohla, PhD, Forschungszentrum Jülich, Deutschland
Valentina Parma, PhD, Temple University, USA
Danielle Reed, PhD, Monell Chemical Senses Center, USA
Maria Veldhuizen, PhD, Mersin University, Türkei

Von deutscher Seite sind Dr. Kathrin Ohla (Jülich) und Prof. Thomas Hummel (Dresden) im Führungsteam vertreten. Gemeinsam mit Prof. Antje Welge-Lüssen Lemcke (Basel), Dr. Michael Schmuker (Hatfield), Prof. Jessica Freiherr (Erlangen/Freising) haben Sie die Umfrage in deutscher Sprache auf den Weg gebracht.

Weitere Informationen:

Zur Onlinebefragung (mehrsprachig)

Direkteinstieg Befragung in deutscher Sprache

QR Code GCCR-Umfrage zu COVID-19Kurz-URL: http://bit.ly/2yFCwLJ
Copyright: Forschungszentrum Jülich

Webseite des GCCR

Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Kognitive Neurowissenschaften (INM-3)

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich erforschen auch in weiteren Projekten das Corona-Virus. Sie entwickeln zum Beispiel mathematische Modelle zur Dynamik des Corona-Ausbruchs in Deutschland, mit denen sie auch den Effekt von Maßnahmen zur Eindämmung simulieren können. Sie stellen Infrastruktur zur Verfügung, um beispielsweise die Wirkung potenzieller Medikamente computergestützt zu simulieren oder untersuchen und entwickeln konkret einzelne Wirkstoffkandidaten.
Hier ist zusammengefasst, wie Jülicher Forscher an der Bewältigung der Corona-Krise arbeiten. In Interviews kommen Forscherinnen und Forscher zu Wort.
www.fz-juelich.de/corona

Ansprechpartner:

Dr. Kathrin Ohla
Leiterin der Arbeitsgruppe "Kognitive Neurophysiologie"
Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-3)
Telefon: 02461 61-4548
E-Mail: k.ohla@fz-juelich.de

Prof. Dr. med. Thomas Hummel
Interdisziplinäres Zentrum Riechen und Schmecken
HNO Klinik, Technische Universität Dresden
Telefon: 0351 458 4189
E-Mail: thummel@msx.tu-dresden.de

Pressekontakt:

Erhard Zeiss, Pressereferent
Tel.: 02461 61-1841
E-Mail: e.zeiss@fz-juelich.de

Dr. Regine Panknin
Unternehmenskommunikation
E-Mail: r.panknin@fz-juelich.de


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