Navigation und Service


FORSCHUNG „MADE IN GERMANY“ KENNENLERNEN

Stipendienprogramme für den wissenschaftlichen Nachwuchs aus China auf Erfolgskurs

11. Juli 2019. China ist nicht nur auf dem Wirtschaftssektor ein stark wachsendes Land. Immer mehr und intensiver investieren Regierung und Institutionen in Forschung und Entwicklung. Kooperationen mit der Wissenschaft in Europa und der ganzen Welt sind dabei ebenso wichtig, wie der Ausbau der Infrastrukturen. Der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses kommt ein besonders hoher Stellenwert zu, was nicht zuletzt die verschiedenen Nachwuchs-Förderprogramme beweisen. Längst hat China damit den Weg hin zu einer Wissenschafts- und Innovationsgesellschaft eingeschlagen.

Chinesische Studierende und Doktoranden haben viel Potenzial. Bildung hat in China einen hohen Stellenwert. Junge Chinesinnen und Chinesen der urbanen Mittelschicht sind daher in der Regel sehr gut ausgebildet und haben ein großes Interesse sich weiterzuentwickeln. Ausländische Bildungsanbieter haben dieses Potenzial schon seit geraumer Zeit für sich erkannt und bieten verschiedene Bildungsprogramme an. So hat beispielsweise die Vergabe von Stipendien eine lange Geschichte. Noch während der Kulturrevolution, die das chinesische Hochschulsystem stark beeinflusste, verlieh der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) die ersten Stipendien an chinesische Studierende.

Auch das Forschungszentrum Jülich engagiert sich seit rund 15 Jahren in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit China. Die weitreichenden Kooperationen werden durch die Nutzung eines vielfältigen Angebots an Stipendienprogrammen, die gemeinsam mit verschiedenen chinesischen Institutionen entwickelt wurden, ergänzt. Die Stipendien ermöglichen es den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus China, ihr Wissen in Deutschland zu erweitern sowie Forschung in einem anderen Land kennenzulernen. Umgekehrt eröffnen die Programme auch jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland die Möglichkeit, in China zu forschen. 

China Scholarship Council (CSC)

Seit 2011 nutzten beispielsweise 185 junge Chinesinnen und Chinesen das China Scholarship Council Programm (CSC), um am Forschungszentrum Jülich zu forschen und zu arbeiten. Das CSC betreibt das weltweit größte Doktorandenprogramm und eröffnet viele Möglichkeiten für die Karriereentwicklung.

Einer dieser Doktoranden ist Shidong Zhang. Nach seinem Masterstudium im Bereich Strömungsmechanik, wollte er die Forschungskultur westlicher Länder kennenlernen und sein theoretisches Wissen in der Anwendung erproben. Daher entschied er sich für einen Aufenthalt am Forschungszentrum Jülich. Die Tätigkeit in Deutschland bietet dem jungen Chinesen Einblick in eine andere wissenschaftliche Herangehensweise: „In China ist es so“, erklärt Zhang, „Der Betreuer sagt einem, was man tun soll und wie man es tun soll; er organisiert alles. Hier in Jülich musste ich mir die Lösungen und den Weg selbst erarbeiten.“ Das selbstständige Arbeiten erschien zunächst fremd, doch der Doktorand, der am Institut für Energie- und Klimaforschung forscht, zieht ein positives Resümee: „Inzwischen finde ich den westlichen Ansatz richtig. Als Forscher muss man in der Lage sein, Probleme selbstständig zu lösen.“  Interview mit Shidong Zhang (PDF, 549 kB)

Gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) fördert das China Scholarship Council auch Postdoktorandinnen und -doktoranden. In dem speziell auf den wissenschaftlichen Nachwuchs zugeschnittenen „CSC-DAAD-PostDoc-Stipendienprogramm“ erhalten junge Chinesinnen und Chinesen die Möglichkeit, ein Forschungsvorhaben an einer deutschen Uni oder Forschungseinrichtung zu verwirklichen. Für das Jahr 2019 haben der DAAD und das CSC die Förderung von 40 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern geplant. Die Kandidatinnen und Kandidaten erhalten für einen Zeitraum von sieben bis 18 Monaten eine Förderung.

Office of the China Postdoctoral Comission (OCPC)

Ein weiteres Instrument der Nachwuchsförderung wird vom Office of the China Postdoctoral Comission (OCPC) angeboten. Über das Programm kommen bis zu 50 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus China nach Deutschland, um hier zu arbeiten und zu forschen. Gemeinsam mit der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren werden in diesem Programm chinesische PostDocs in laufende Kooperationsprojekte integriert oder erhalten die Option ein eigenes Projekt aufzubauen.

Dass von dem Aufenthalt chinesischer Doktorandinnen und Doktoranden nicht nur die Besucher aus Fernost profitieren, zeigt eine Zusammenarbeit aus dem Bereich Stratosphärenforschung am Institut für Energie- und Klimaforschung des Forschungszentrums Jülich. Die chinesische Kollegin Dr. Dan Li arbeitete ein Jahr in Jülich. Sie brachte Messdaten einer Messkampagne mit, die auf die Erforschung des asiatischen Monsuns abzielte. „Diese Messdaten wollten wir gerne nutzen, um die Ergebnisse in unsere eigenen Forschungsarbeiten zu integrieren“, erläutert Dr. Bärbel Vogel vom Institut für Energie- und Klimaforschung, „Im Gegenzug hatten die chinesischen Kollegen ein Interesse daran, unsere Simulationsmodelle einzusetzen.“ Für Dr. Li wurde im Anschluss an die Finanzierung des CSC-DAAD eine HGF-OCPC-Anschlussfinanzierung beantragt und bewilligt. Durch die neue Finanzierung ist es möglich die begonnene Forschung gemeinsam fortzuführen. „Langfristig gehört es zu unseren Zielen, den Transport von klimarelevanten Gasen über den asiatischen Monsun in die globale Stratosphäre zu identifizieren und seine jährliche Variabilität zu bestimmen, um globale Klimaeffekte besser berechnen zu können“, erklärt Dr. Vogel. Um dieses Ziel erreichen zu können, ist die Mitarbeit der Kollegin aus China unverzichtbar.  Interview mit Dr. Bärbel Vogel (PDF, 916 kB)

Die Forschung profitiert in vielen Bereichen von solchen internationalen Kooperationen und dies nicht nur in Deutschland, sondern auch in China. So können sich PostDocs aus aller Welt und Chinesen mit einer Dissertation an einer der weltweit Top 100 Universitäten (aufgelistet z. B. in Times Higher Education World University Ranking) oder mit einer Helmholtz-Empfehlung für einen zweijährigen voll finanzierten Aufenthalt in China bewerben.

Kooperationen festigen und vertiefen

Ein Ziel der Programme ist es, die nachhaltige Zusammenarbeit mit den chinesischen Partnern zu festigen und weiterzuentwickeln. Daher ist die Rückkehr der chinesischen Doktorandinnen und Doktoranden und PostDocs in ihre Heimat, ein häufiger Bestandteil der Förderprogramme. Die jungen Stipendiatinnen und Stipendiaten kehren zurück in einen hart umkämpften Arbeitsmarkt. Ausgestattet mit vielfältiger Forschungserfahrung und einer guten Reputation in Form von Publikationen können sie sich jedoch auch hier behaupten.

Nach ihrer Rückkehr nach China behalten die jungen Forscherinnen und Forscher den Kontakt mit ihrer Austausch-Institution und arbeiten auch über tausende Kilometer hinweg gemeinsam an ihren Projekten. Auf diese Weise können sowohl die wissenschaftlichen Einrichtungen als auch die Forscherinnen und Forscher in China und Deutschland von einem engen Austausch profitieren.

Einen regen Austausch, auch nach der Rückkehr in die Heimat, pflegen beispielsweise die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des International Joint Lab for Regional Pollution Control (IJRC). Maßgeblich an den Aktivitäten beteiligt ist das Institut für Energie- und Klimaforschung, Troposphäre (IEK-8) am Forschungszentrum Jülich und die Peking University. Gemeinsam untersuchen die Forscherinnen und Forscher atmosphärische Prozesse, Ursachen und Lösungen der Luftverschmutzung über China. Die chinesischen Stipendiatinnen und Stipendiaten, die im Rahmen dieses Projektes forschen, arbeiten somit direkt für die Verbesserung der Lebensqualität in ihrem Heimatland. Darüber hinaus ist die Peking University für weitere Forschungsvorhaben des Forschungszentrums Jülich ein wichtiger Partner.

Auch die Kooperation mit dem Shanghai Institute of Microsystem and Information Technology, Chinese Academy of Sciences (SIMIT) hat in Jülich einen hohen Stellenwert und eine mehr als zehnjährige Tradition. So arbeiten Forscherinnen und Forscher des SIMIT und des Forschungszentrums im „Virtual Joint Research Institute for Functional Materials and Electronics“ in verschiedenen Forschungsbereichen zusammen.

Nachhaltigkeit ist dem Forschungszentrum Jülich bei allen Aktivitäten sehr wichtig. Die verschiedenen Stipendienprogramme zielen darauf ab, Kontakt zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch über ihre Zeit in Deutschland hinaus zu halten. Kooperationen sind hierzu ein wichtiger Schritt. Zudem bieten Maßnahmen, wie der „Jülich Day“ die Möglichkeit, im wiederkehrenden Austausch zu bleiben und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu finden.

Interviews und weitere Informationen stehen auf den Webseiten des Forschungszentrums Jülich, des China Scholarship Council sowie des Office of the China Postdoctoral Comission zur Verfügung.

Ansprechpartner 

Internationale Förderprogramme für Studierende, Graduierte, Doktoranden und Post-Docs
Gabriele Weiland (UE-B)
Tel.: +49-2461-61-3388
E-Mail: g.weiland@fz-juelich.de

Management internationaler Beziehungen in Asien
Jülich Day
Dr. Hyunji Park (UE-B)
Tel.: +49-2461-61 8915
E-Mail: hj.park@fz-juelich.de


Servicemenü

Homepage