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Rekordanlage zur Speicherung von grünem Wasserstoff

Jülich, 11. März 2021 – Im CHEMPARK Dormagen entsteht die weltweit größte Anlage für die Einspeicherung von grünem Wasserstoff in flüssige organische Träger (Liquid Organic Hydrogen Carrier, LOHC) im industriellen Maßstab. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das Vorhaben mit insgesamt 9 Millionen Euro. Die LOHC Industrial Solutions NRW GmbH, Tochter des Erlanger Unternehmens Hydrogenious LOHC Technologies, übernimmt die Projektleitung und den Anlagenbetrieb. Ein weiterer Partner aus der Industrie ist die Covestro Deutschland AG. Die wissenschaftliche Expertise kommt aus dem Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien (HI ERN), einer Außenstelle des Forschungszentrums Jülich. Dorthin fließen 2 Millionen Euro der Fördermittel für begleitende wissenschaftliche Untersuchungen. Prof. Peter Wasserscheid, Direktor des HI ERN, hat die LOHC-Technologie in den vergangenen Jahren maßgeblich mitentwickelt. Drei Fragen an den Wissenschaftler:

Herr Professor Wasserscheid, worin liegt die Bedeutung des Projekts?
Die geplante Anlage in Dormagen ist die weltweit größte industrielle Anlage zur Speicherung von grünem Wasserstoff in flüssigen organischen Wasserstoffträgern. Hier sollen rund 1.800 Tonnen Wasserstoff im Jahr im Speicherstoff Benzyltoluol chemisch gebunden werden – das ist eine zwanzigfache Einspeicherleistung gegenüber den bisher bekannten Anlagengrößen. Durch die infrastruktur-kompatible Handhabung von Wasserstoff in chemisch gebundener Form kann Wasserstoff nicht nur einfach gelagert, sondern vor allem auch günstig zum Verbraucher transportiert werden. Grüner Wasserstoff wird auf diese Weise ein einfach handelbares Gut. Genau solche Technologien sind notwendig, um den Hochlauf einer zukünftigen Wasserstoffwirtschaft zu ermöglichen.

Prof. Peter WasserscheidProf. Peter Wasserscheid
Copyright:  HI ERN / Kurt Fuchs

Welche Schwerpunkte setzen Sie im wissenschaftlichen Teil des Projekts?
Bei unserer Begleitforschung konzentrieren wir uns auf drei Aspekte: Wir untersuchen das Katalysatorverhalten im realen Anlagenbetrieb, wir erforschen mögliche Einflüsse der LOHC- bzw. Wasserstoffqualität auf die Performance des Einspeicherprozesses und wir entwickeln industriell nutzbare Qualitätssicherungsverfahren für unser LOHC-System weiter.

Bei der Wasserstoff-Einspeicherung in LOHC-Systeme wird Wärme frei, wie kann diese weiter genutzt werden?
Gerade das ist ein toller Aspekt unserer geplanten Anlage im CHEMPARK Dormagen. Wir nutzen grünen Wasserstoff zur LOHC-Beladung und die Reaktionswärme, die auf einem Temperaturniveau von über 280 °C anfällt, kann im Dampfnetz des Chemieparks genutzt werden. Auf diese Weise wird die Wasserstoffspeicherung zum Energielieferanten für andere Produktionsprozesse und die Effizienz der gesamten Wasserstoff-Logistikkette lässt sich dadurch deutlich steigern.

Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien (IEK-11)

Wasserstoff-Forschung in Jülich

Ansprechpartner:
Prof. Peter Wasserscheid
Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien (IEK-11)
Tel.: 09131-8520843
E-Mail: p.wasserscheid@fz-juelich.de

Pressekontakt:
Erhard Zeiss, Pressereferent
Tel.: 02461 61-1841
E-Mail: e.zeiss@fz-juelich.de