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Kurznachrichten Juni 2018

Rätselhafte Chemie der polaren Stratosphäre

Seit der Entdeckung des Ozonlochs vor über drei Jahrzehnten sind die Prozesse, die zu dem Ozonabbau in der Stratosphäre führen, weitgehend verstanden: Ursache sind Chlor-Einträge in die Atmosphäre durch die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die zum Beispiel als Kältemittel in Kühlschränken eingesetzt wurden. In den vergangenen Jahren konzentriert sich die Forschung deshalb auf noch ungeklärte Fragen zur Chemie der Atmosphäre. Ein internationales Forscherteam mit Jülicher Beteiligung stieß jetzt auf eine Diskrepanz beim Vergleich von Modellen mit Messdaten von Chlorwasserstoff im Frühwinter, dem Zeitraum, bevor sich das Ozonloch ausbildet. Demnach wird in der polaren Stratosphäre Chlorwasserstoff viel schneller abgebaut als in den Modellen berechnet. Die Untersuchungsergebnisse wurden jetzt im Fachjournal Atmospheric Chemistry and Physics veröffentlicht.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es in dieser Schicht der Atmosphäre einen unbekannten chemischen Prozess gibt, der zum Abbau von Chlorwasserstoff führt. Die Forscher zeigten, dass der bislang ungeklärte Prozess mit dem Auftreten von sogenannten Polaren Stratosphärenwolken (PSC) zusammenhängt. Ob die Reaktion mit den Wolken von kosmischer Strahlung ausgelöst wird, sollen weitere Studien zeigen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen jetzt die atmosphärenchemische Reaktionmithilfe von Labor- oder Feldmessungen entschlüsseln, um die Prognosen und damit die Modelle zu verbessern.

Originalveröffentlichung:

Grooß, J.-U., R. Müller, R. Spang, I. Tritscher, T. Wegner, M. P. Chipperfield, W. Feng, D. E. Kinnison, and S. Madronich, On the discrepancy of HCl processing in the core of the wintertime polar vortices, Atmos. Chem. Phys., 18, 8647-8666,

DOI:10.5194/acp-18-8647-2018

Mehr Informationen

Pressemeldung „Neue Erkenntnisse zur Chemie der Chlorradikalen im Ozonloch”

Institut für Energie- und Klimaforschung, Bereich Stratosphäre (IEK-7)

3,2 Millionen Euro für Ausbau von Photonenzentrum JuSPARC

Das Forschungszentrum Jülich erhält 3,2 Millionen Euro für den Ausbau seines Kurzpuls-Photonenzentrums JuSPARC (von engl. „Jülich Short-Pulsed Particle Acceleration and Radiation Center“). JuSPARC wird neuartige Möglichkeiten bieten, ultraschnelle physikalische Phänomene zu untersuchen, die insbesondere für die Informationstechnologie, aber auch die Festkörper- und Energieforschung von Interesse sind. Der Ausbau erfolgt unter dem Dach der neuen Forschungs- und Entwicklungsplattform für Beschleunigertechnologien ATHENA („Accelerator Technology HElmholtz iNfrAstructure”), deren Förderung die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) am 12. Juni beschlossen hat.

ATHENA hat zum Ziel, kompakte Plasmabeschleuniger als kostengünstige Alternative zu teuren Großforschungsanlagen für wissenschaftliche Anwendungen zu realisieren. JuSPARC wird einige der dafür notwendigen Entwicklungsarbeiten übernehmen und nutzungsreife Entwicklungen im Forschungszentrum Jülich für die Forschung zugänglich machen. 

Zunächst wird JuSPARC im August 2018 in einer ersten, schon länger geplanten Ausbaustufe mit zwei leistungsstarken Lasern ausgerüstet. Ziel dieser Maßnahme ist es, möglichst viele Photonenpulse pro Sekunde zu erzeugen. Photonen sind Licht- oder Röntgenteilchen. Im Rahmen von ATHENA soll JuSPARC dann weiter ausgebaut werden, um damit noch höhere Photonenenergien wie an Synchrotron-Großforschungsanlagen zu erzielen. Langfristig ist geplant, auch Hadronen zu beschleunigen, etwa Protonen, und insbesondere erstmals polarisierte Teilchenstrahlen mit Lasern zu erzeugen, um weitere Möglichkeiten für die teilchenphysikalische Grundlagenforschung zu bieten.

Pressemitteilung "3,2 Millionen Euro für Ausbau von Jülicher Kurzpuls-Photonenzentrum JuSPARC"

Peter Grünberg Institut, Bereich Elektronische Eigenschaften (PGI-6)

Webseite von JuSPARC 

Preise und Auszeichnungen

Umbrella-Award für Yasin Emre Durmus

Yasin Emre Durmus vom Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung wurde Ende Mai beim jüngsten Umbrella-Symposium am Israel Institute of Technology (kurz Technion) in Haifa für seine Arbeiten zu ressourceneffizienten Silizium–Luft Batterien mit einem Preis ausgezeichnet. Das Technion hatte im Rahmen der Umbrella-Kooperation, an der neben der israelischen Forschungseinrichtung die RWTH Aachen und das Forschungszentrum Jülich beteiligt sind, erstmals Preise für erfolgreiche Nachwuchswissenschaftler ausgelobt. Die beiden anderen Auszeichnungen gingen an Prof. Stefanie Elgeti von der RWTH und an Prof. Matthew Suss vom Technion.

Das Symposium in Haifa war das 32. seiner Art, zu dem die Umbrella-Partner alle zwei Jahre zusammenkommen. Die deutsch-israelische Forschungskooperation hat das Ziel, die Zusammenarbeit der drei Einrichtungen zu intensivieren und den wissenschaftlichen Austausch im technologischen Bereich zu fördern. Darüber hinaus bietet die Umbrella-Kooperation Studierenden und Wissenschaftlern beider Länder die Chance, über Studienaufenthalte oder gemeinsame Forschungsprojekte neue Impulse für ihre Arbeit und ihr Leben zu gewinnen.

Institut für Energie- und Klimaforschung, Bereich Grundlagen der Elektrochemie (IEK-9)

Aktuelle Termine

Auf Seite http://www.fz-juelich.de/termine finden Sie aktuelle Konferenzen und Veranstaltungen im und mit dem Forschungs­zentrum Jülich.

Pressekontakt:

Erhard Zeiss, Tel. 02461 61-1841, e.zeiss@fz-juelich.de